27.03.2026

DFG fördert Forschungsgruppe zu Adenoviren 

LIV mit zwei Forschungsprojekten beteiligt

Die bundesweite Adenovirus-Forschungsgruppe FOR 5898 „AdBHealth: Mehr Wissen & mehr Technologie – Fortschritte in der Adenovirus Biologie für eine gesunde Zukunft“ wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit 5,7 Millionen Euro gefördert. Das Leibniz-Institut für Virologie (LIV) Hamburg ist gleich mit zwei Projekten an der Froschungsgruppe beteiligt. Insgesamt bündelt AdBHealth zwölf Projekte führender Wissenschaftler*innen in Freiburg, Witten, Leipzig, Essen, Hannover, Hamburg, Lübeck und Greifswald. Ziel ist es, die Mechanismen von Adenovirus-Infektionen zu erforschen und die Grundlagen für sichere medizinische Anwendungen wie Impfstoffe, Gentherapien und onkolytische Tumortherapien zu schaffen. Sprecherin der Forschungsgruppe ist Prof. Dr. Sabrina Schreiner von der Universität Freiburg, die von 2006 bis 2014 in Hamburg in der Abteilung „Virale Transformation“ von Prof. Dr. Thomas Dobner am HPI (dem heutigen LIV) forschte. Co-Sprecherin ist Prof. Dr. Anja Ehrhardt von der Universität Witten/Herdecke.

Adenoviren, die als „Erkältungsviren“ bekannt sind, lösen beim Menschen ein breites Spektrum an Erkrankungen aus und können insbesondere für Kinder und immunsupprimierte Patient*innen gefährlich werden. Gleichzeitig dienen sie in der modernen Medizin als effiziente Werkzeuge, um DNA in Zellen einzubringen, etwa in Impfstoffen oder der Gentherapie. 

Die am Leibniz-Institut für Virologie angesiedelten Projekte befassen sich mit unterschiedlichen Aspekten der Adenovirusinfektion: Dr. Wing Hang Ip und Prof. Dr. Thomas Dobner (beide LIV) erforschen die langfristigen Effekte abortiver Adenovirus-Infektionen und die Persistenz viraler DNA. Dabei untersuchen sie im Projekt „Long-term effects of abortive HAdV infection and DNA persistence in cell culture“, wie Integrations- und Transformationsprozesse die Sicherheit und Effizienz von Adenovirus-basierten Vektoren beeinflussen und wie verschiedene Virus-Typen und Vektor-Konstrukte das Risiko langfristiger Nebenwirkungen steuern. Parallel dazu wird unter der Leitung von Prof. Dr. Kay Grünewald (LIV und Centre for Structural Systems Biology (CSSB)) und Prof. Dr. Harald Wodrich (Université de Bordeaux) untersucht, wie in späten Schritten des viralen Zelleintritts unterschiedliche Virusgenotypen die Sortierung von Adenovirus-Kapsiden beeinflussen. Im Projekt „Understanding genotype impact on post entry sorting of AdV capsids“ sollen dazu – vergleichend für verschiedene Adenoviren – die molekularen und strukturellen Mechanismen der endosomalen Penetration von Adenoviren, die Kapsid-Interaktion mit Motor-Komplexen und die Reaktion der Wirtszellen entschlüsselt werden.

Die DFG-Forschungsgruppe will nicht nur die Entwicklung sichererer Vektoren voranbringen, sondern auch das Verständnis der Persistenz adenoviraler DNA verbessern, die bei immungeschwächten Patient*innen, insbesondere Kindern, zu einer Reaktivierung mit hoher Mortalität führen kann.

Mit der DFG-Förderung entsteht eine der umfassendsten europäischen Initiativen zur Adenovirus-Forschung mit dem Ziel, die biologische Vielfalt humaner Adenoviren und ihre Rolle als Krankheitserreger besser zu verstehen sowie sichere und innovative medizinische Anwendungen zu entwickeln.

Kontakt