03.07.2026

Leibniz Virology Lecture 2026 mit Prof. Otto Haller

Eine wissenschaftliche Reise durch die angeborene antivirale Immunität: Professor Haller über Mx1, Interferon und die Kontrolle von Influenzaviren

Am 30. Juni 2026 fand am Leibniz-Institut für Virologie die diesjährige Leibniz Virology Lecture mit dem renommierten Virologen Prof. Dr. med. Otto Haller (Universitätsklinikum Freiburg) statt. Der mit der Robert-Koch-Medaille in Gold ausgezeichnete Virologe nahm das Publikum mit seinem Vortrag „Host Gene Control of Influenza Virus and Transspecies Transmission“ auf eine wissenschaftliche Reise durch sein Lebenswerk – von den ersten Beobachtungen zur angeborenen antiviralen Immunität bis zu den molekularen Mechanismen der Artübertragung von Influenzaviren.

Eröffnet wurde die Veranstaltung durch ein Grußwort des wissenschaftlichen Direktors Prof. Dr. med. Marcus Altfeld, gefolgt von einer Laudatio von Prof. Stephanie Pfänder (LIV, Leiterin der Abteilung Emerging Viruses). Sie würdigte nicht nur die herausragenden wissenschaftlichen Leistungen von Prof. Haller, sondern auch seine besondere Rolle als Mentor: sein zugewandter, fördernder Führungsstil und das große Vertrauen in Nachwuchsforschende, das von ehemaligen Mitarbeitenden und Studierenden augenzwinkernd als „wissenschaftliche Montessori-Pädagogik“ beschrieben wurde.

Prof. Haller mit dem fertigen KunstwerkLIV
Prof. Haller mit dem fertigen Kunstwerk

Prof. Haller gilt als einer der Pioniere auf dem Gebiet der Erforschung der angeborenen antiviralen Immunität. In seinem Vortrag zeichnete er nach, wie aus einer zunächst unerwarteten Beobachtung grundlegende Erkenntnisse über die antivirale Immunabwehr entstanden.

Ausgangspunkt war ein Zufallsbefund in Mäusen“, erinnerte er sich. „Einige Tiere überlebten die Influenza-Infektion, andere starben. Der Unterschied war ein funktionelles Mx1-Gen.“ Während Mx1-positive Mäuse resistent waren, erkrankten Mx1-negative Tiere schwer. 

Von dieser Beobachtung ausgehend identifizierte Prof. Haller das Protein Mx1 als wichtigen Effektor der angeborenen Immunabwehr. Interferon, so zeigte sich, ist nicht nur ein unspezifischer Alarmruf des Immunsystems, sondern wirkt über induzierbare und spezifische Effektoren wie Mx1, die die Vermehrung von Influenzavieren hemmen. Beim Menschen übernimmt das zu Mx1 homologe Protein MxA diese Abwehrfunktion.

„Schwere Influenza-Verläufe, erläuterte Haller, seien häufig mit angeborenen Defekten der Interferonantwort verbunden – sogenannten „inborn errors of immunity“. Beispielsweise, können manche MxA-Varianten die frühe antivirale Abwehr in Patienten*innen beeinträchtigen, was zu schweren Krankheitsverläufen führen kann.

Gleichzeitig zeigte er, wie sich aviäre Influenzaviren durch Escape-Mutationen der Wirkung von MxA entziehen können. Diese Anpassung geht jedoch häufig mit Fitnessverlusten einher, die erst durch weitere Mutationen ausgeglichen werden müssen. MxA stellt damit eine zentrale molekulare Hürde auf dem Weg zur Anpassung von Influenzaviren an den Menschen dar.

Wie in den Vorjahren wurde die Lecture durch ein Graphic Recording begleitet, das die zentralen Inhalte visuell festhielt. Im Anschluss bot ein Empfang bei Kaffee und Kuchen Gelegenheit zum Austausch. Bereits zuvor hatte der wissenschaftliche Nachwuchs des LIV bei einem gemeinsamen Mittagessen die Möglichkeit, Prof. Haller in informellem Rahmen zu begegnen und sich über Karrierewege und Forschung auszutauschen.

Mit der jährlich stattfindenden Leibniz Virology Lecture ehrt das LIV Persönlichkeiten, die durch ihre wissenschaftlichen Leistungen und ihren Einsatz für die Gesellschaft weit über ihr Fachgebiet hinauswirken.

Grafikerin bei der Arbeit

Grafikerin Gabriele Schlipf hält den Vortrag live fest

Der Vorstand mit Otto HallerLIV

Dagmar Schröder-Huse (Vorstand, LIV), Prof. Otto Haller und Marcus Alteld (Vorstand, LIV)

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