Interview mit Laura Staliunaite
PhD-Repräsentantin von 2023–2025
Laura Staliunaite war PhD-Repräsentantin von 2023 bis 2025. In ihrer Promotion untersucht sie, wie das Cytomegalievirus das Immunsystem umgeht und welche viralen Proteine dabei eine zentrale Rolle spielen. Wir haben sie besucht und mit ihr über ihre Promotion und ihre Rolle am LIV gesprochen.
Was ist dein Forschungsthema und warum interessiert dich das besonders?
Ich beschäftige mich mit der Erforschung von Herpesviren, insbesondere dem Cytomegalievirus. Herpesviren gibt es schon extrem lange und sie haben sich während ihrer Entwicklung wahnsinnig gut an den Wirt – zum Beispiel den Menschen – angepasst. Viele Funktionen von Herpesviren sind noch nicht vollständig erforscht und es werden immer wieder neue Mechanismen entdeckt, wie Herpesviren Wirtzellen erfolgreich infizieren und sich dann unentdeckt vermehren können. Ich schaue mir dabei konkret an, welche Mechanismen das Cytomegalievirus anwendet, um das Immunsystem des Wirts geschickt zu umgehen und welche viralen Proteine dabei eine besonders wichtige Rolle spielen.
Was war bisher der spannendste Moment in deiner Promotion?
Während meiner Promotion konnten wir die Funktion eines bestimmten viralen Proteins des Cytomegalievirus erstmals neu beschreiben. Das ist natürlich ein ganz besonders toller Moment gewesen, wenn Experimente funktionieren, Hypothesen bestätigt und Fragen geklärt werden. Wenn die Mühe sich gelohnt hat und ein sinnvoller Beitrag für dieses – wenn auch sehr spezielle – Forschungsfeld entstanden ist.
Was motiviert dich, an Viren zu forschen?
Viren stellen so eine winzige Einheit dar, die laut Definition nicht mal als Lebewesen gilt, und trotzdem schaffen es Viren auf sehr unterschiedliche Weise Menschen und Tiere krank zu machen. Die größte Motivation unserer Forschung ist natürlich, die Funktionsweise unterschiedlicher Viren zu verstehen und im weiteren Verlauf Therapien zu entwickeln, die virusbedingte Erkrankungen verhindern und heilen sollen. Mich persönlich motiviert, dass wir mittlerweile so gut entwickelte Systeme und Ausstattung haben, die es uns erlaubt, unterschiedlichste Fragestellungen im Labor unter kontrollierten experimentellen Bedingungen zu testen. Dass wir mittlerweile in der Lage sind, virale Mechanismen im Detail zu verstehen und weniger machtlos sind, bei bestehenden viralen Erkrankungen und hoffentlich auch bei zukünftigen Ausbrüchen.
Was ist die Aufgabe eines PhD-Repräsentanten?
Neben tollen Erfahrungen, die man als PhD in seinem Forschungsfeld macht, ist die Phase des PhDs oft auch sehr herausfordernd. Viele PhDs haben mit Zeitdruck, langen und komplexen experimentellen Phasen und Ergebnisdruck zu kämpfen. Als PhD-Rep versuchen wir, eine Gemeinschaft unter den PhDs zu fördern, wo PhDs des gesamten Instituts miteinander reden und sich austauschen können und wo Probleme offen besprochen werden können. Manchmal hilft es ja bereits zu wissen, dass andere PhDs ähnliche Erfahrungen machen. Gleichzeitig sind wir PhD-Reps aber auch im engen Austausch mit den Gruppenleitern, dem Vorstand und den PhD-Koordinatoren und sind so direkt an vielen Prozessen des Instituts beteiligt, bleiben stets informiert und vertreten die Interessen der PhDs.
Was war/ist dir persönlich in dieser Funktion besonders wichtig?
Dass es einen regelmäßigen Austausch zwischen den PhDs gibt, sowohl zur Besprechung von wichtigen aktuellen Themen, als auch für informelle Treffen. Dafür haben wir neben offiziellen PhD-Infotreffen auch die sogenannten „PhD Social Nights“ ins Leben gerufen. Hier wird mal ein Spieleabend veranstaltet, ein anderes Mal gegrillt oder in die Kneipe gegangen und das wichtigste: Jede/r ist willkommen.
Welche Themen haben die Promovierenden besonders beschäftigt?
Die Themen die uns erreichen sind ganz unterschiedlich: Mal geht es um die Infrastruktur und eine verbesserte Vernetzung am Institut, mal geht es um Mental Health und wie man die stressigen Phasen des PhDs langfristig meistert. Ein spezielles Thema ist auch die Fragestellung, wie man internationale PhDs am LIV besser unterstützen kann, vor allem bei den bürokratischen Prozessen, wie Einschreibung an der Uni, Anmeldung der Doktorarbeit etc.
Welche konkreten Verbesserungen konnten angestoßen oder erreicht werden?
In den letzten Jahren haben wir viel investiert, um die Kommunikation innerhalb des Instituts zu verbessern und die Bedürfnisse der PhDs besser zu erkennen. Dafür gibt es nicht nur regelmäßige „Social Nights“ für die PhDs für einen besseren Austausch außerhalb der direkten Laborumgebung, sondern seit neuerem auch sehr regelmäßige Treffen mit dem Vorstand des Instituts, um über neue Entwicklungen informiert zu bleiben und Themen anzusprechen, die die PhDs aktuell beschäftigen. Wir sind ebenfalls sehr stolz, dass wir seit 2023 alle 2 Jahre eine PhD-Umfrage durchführen, um das Wohlbefinden der PhDs am Arbeitsplatz, aber auch Themen wie Mental Health, Stress während des PhDs und Zufriedenheit mit der Infrastruktur am Institut abzufragen. Dadurch können konkrete Verbesserungen angestoßen und das Arbeitsklima am LIV optimiert werden.
Welche Themen sollten aus deiner Sicht in den kommenden Jahren weiterverfolgt werden?
Ein wichtiges Thema ist die Nachwuchsförderung und das Angebot an Seminaren und Schulungen, die uns über den PhD hinaus auf unsere Karriere vorbereiten sollen. In der Vergangenheit wurde bereits eine tolle Graduiertenschule entwickelt, die uns PhDs Zugang zu unterschiedlichen Softskill-Kursen und universitären Veranstaltungen gibt. Um weiterhin konkurrenzfähige Doktoranden hervorzubringen, ist es meiner Meinung nach wichtig, uns noch mehr auf die vielfältigen Möglichkeiten nach dem PhD, vor allem außerhalb der klassischen akademischen Laufbahn vorzubereiten. Gerade in Zeiten von künstlicher Intelligenz und einem sich stark verändernden Job-Markt sollten wir PhDs nach Ende der Promotion bestmöglich auf bevorstehende Herausforderungen vorbereitet sein.
Gibt es einen Moment, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
2024 haben wir PhDs zusammen mit den PostDocs selber ein externes zweitägiges Seminar organisiert, das sogenannte Young Scientist`s Retreat. Neben einem bunten Programm inkl. Softskill-Kurse, Vorträge eigeladener Speaker und Zeit für soziale Aktivitäten war es auch unsere Aufgabe, die Location außerhalb Hamburgs zu organisieren, uns um Reise und Verpflegung und das verfügbare Budget zu kümmern. Ich persönlich habe sehr viel mitgenommen – von wissenschaftlichem Input, über Herausforderungen bei den Hotelbuchungen und beim Catering bis hin zu tollen Freundschaften, die während des Retreats entstanden sind.